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End-of-live für Mainstream-Segelschmieden?


Aus Gaastra wurde schon vor Jahren GA Sails, North Sails heisst jetzt Duotone und Neil Pryde erfindet, auf die Saison 2019, die X-Series Segellinie mit: X:WAVE, X:MOVE, X:RYDE. Diese sollen für jeweils 3 Jahre unverändert in der Range verbleiben und den engagierten Freizeitsurfer ansprechen. Wodurch sich die 98 Prozent aller Windsurfer angesprochen fühlen sollen bleibt vorerst ein Rätsel. Das reduzierte und langweilig geratene Design taugt dazu genau so wenig wie der Preis, der für eine "long term Serie" dieser Art deutlich zu hoch angesetzt ist.

Festzuhalten ist, dass die etablierten Segelmarken trotz immenser Investitionen in ihr Marketing nicht erfolgreicher werden, im Gegenteil. Nun einfach das Marketingbudget stetig weiter zu erhöhen und zu hoffen, dass der Erfolg damit zurückkehrt greift zu kurz. Das Problem dieser Marken ist vielschichtiger und lässt sich weder über Inserate oder bezahlte Testberichte in Fachzeitschriften noch mit teuren Teamfahrern aus der Welt schaffen. Von letzteren müssten die Brandmanager bei genauer Betrachtung wahrscheinlich gut die Hälfte sofort der Konkurrenz überlassen, da diese für sie keinerlei Mehrwert erbringen, sondern lediglich das Budget strapazieren. Immerhin handelt es sich dabei um Kosten die voll zu Lasten der Kunden gehen, da sie ausschliesslich über die Produkte refinanziert werden.

Zudem mutiert das Spiel mit Hersteller, Importeur, Händler wie es seit jeher gespielt wird, zu einem Auslaufmodell. Das dem so ist zeigen die kleinen oder jüngeren Segelmarken wie zum Beispiel: S2 Maui, Hotsails Maui, Goya, Avanti, KA, Ezzy oder Challenger Sails. Diese Brands, die selten bis nie Platz in Surfshops finden, werden nahezu ausnahmslos durch engagierte Windsurfer-Persönlichkeiten in den jeweiligen Ländern vertreten und dies wird je länger je mehr zum Erfolgsmodell.

Angetrieben durch Enthusiasmus, Leidenschaft und Überzeugung sind diese Jungs perfekte Imageträger für ihre Marke und deren Produkte. Als eine Art Mischung aus Testimonial, Influencer und Markenbotschafter treffen sie bei ihren Kunden den Nerv der Zeit und es entsteht eine eingeschworene Community rund um ihren Brand. Aus der Not des fehlenden Marketingbudgets betreiben sie hoch effizientes Touchpoint Marketing dort wo es am erfolgversprechendsten ist, nämlich direkt am Windsurfspot bei meist guten Bedingungen. Sie scheuen keinen Aufwand und karren Wochenende für Wochenende ihr mobiles Lager und Testmaterial an die Surfspots, leben ihre Passion und geben kompetent und bereitwillig Auskunft. Sie haben den direkten Draht zu Entwicklern und Brandmanagern ohne Importeur dazwischen und sind somit ihrem Produkt teilweise deutlich näher als so mancher Händler. Dies trifft im Übrigen oft auch zu, wenn es um die Abwicklung von Reklamationen oder Garantiefällen geht. Ein wesentlicher Teil das Erfolgsrezepts dieser Segelmarken ist also, dass sie auf den Spirit von begeisterten Windsurfern und deren Leidenschaft für ihre Produkte vertrauen. Das funktioniert so gut, dass sie gegenüber den etablierten Segelherstellern mit ihren grossen Marketingbudgets sogar Marktanteile gewinnen oder zumindest ihr Überleben durch Weiterentwicklung mit gezieltem innovativem Productengineering sicherstellen können! Beispiel: Hot Sails Maui (oben) oder Ezzy Sails (unten) mit ihren Foilsegel.

Somit sind die Mainstream Segelschmieden gefordert umgehend neue zeitgemässe Markenstrategien und Vertriebskonzepte zu entwickeln um sich und ihre Händler zu stärken. Diese sind für sie und den gesamten Windsurfmarkt ein wichtiger und unabdingbarer Player. Die Händler wiederum tun gut daran sich den Themen Community building, Touchpoint Marketing und dem von ihnen gebotenen Einkaufserlebnis anzunehmen. Machen beide ihre Hausaufgaben, brauchen sie sich keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen!

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