• Roland starkwind.ch

Soeben eingetroffen...

... ist mein neues Segel in der Grösse 6.9 komplett in Orange gehalten. Das alleine ist keinen Blog-Beitrag wert, da jeden Tag hunderte Segel verschickt werden, die dann früher oder später bei ihren neuen Besitzern ankommen. Doch ich freue mich gerade diebisch über meine neueste Errungenschaft, auch weil ich diese mit einer Anekdote aus meinen Anfängen beim Widereinstieg in die Welt des Windsurfens verbinde, die ich hier nach gut 20 Jahren preisgebe.

Es war Ende Mai 1999, meine «Gleitschirmkarriere» war gerade etwas jäh bei einem Vorfall mit einer Starkstromleitung, welchen ich glücklicherweise unbeschadet überstanden hatte, zu Ende gegangen, was mir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bewusst war. In diesem Sommer fragte meine Frau, ob das Surfbrett in der Garage (F2 Comet, Jahrgang 1988) wohl noch schwimmen würde und ich antwortete: «Dass ich davon ausgehe, wir es wohl vorher etwas entstauben müssten». So standen wir bald darauf an einem warmen Sommertag mit dem guten Teil am Ufer des Thunersees. Ich zeigte ihr, wie man das mit dem Windsurfen in etwa anstellt. Sie übte eifrig und machte schnell Fortschritte, Allerdings war das Ganze für sie, mit einer Körpergrösse von 154cm und 54kg ein Kraftakt, da das kleinste Segel, ein Gaastra 5.0er mit langem, schweren GFK-Mast und einem Gabelbaum noch zum Anklappen alles andere als ein handliches Leichtwindrigg war. Nach zwei, drei weiteren Versuchen besuchten wir Thomi Jäger, den ich bereits von früher kannte, in seinem Windsurfshop in Nottwil. Meine Frau erklärte ihm, dass sie Windsurfen wolle, ihr mein altes Segel aber zu schwer ist. Thomi nickte, sah mich mit strengem Blick an und meinte, dass sie als Frau ein Recht auf eigenes, leichtes Material hat. Mit den Worten: «Ich stell dir rasch öppis zäme» verschwand er im Güterschuppen des Bahnhofs Nottwil, welchen er als Lager nutzte und kam wenige Augenblicke später mit Einzelteilen bewaffnet wieder ans Tageslicht. Er riggte ihr ein Arrows CRAZE 4.2 mit Carbonmast und Schnellverschlussgabel auf und pries ihr das gute Stück mit all seinen Vorzügen an. Darauf verliessen wir Nottwil mit einem Nigel nagelneuen Komplettrigg, das Porte­mon­naie meiner Frau war um 800 Stutz leichter, sie aber glücklich und es gab keinen Zweifel mehr, sie will surfen!


Soweit so gut, ich hatte mir zwischenzeitlich eingestanden, dass es das war mit der Gleitschirmfliegerei und so war ich offen, mich künftig gemeinsam mit meiner Frau wieder dem Windsurfen zu widmen. Ich verkaufte meinen Gleitschirmkram und investierte den Erlös in Surfmaterial. Nebst einem Brett wollte ich auch ein leichtes Segel mit einer Gabel mit Schellverschluss, den alten Mast würde ich vorerst weiterverwenden, so der Plan. Im surf-Magazin lass ich einen Testbericht über ein Gunsails GROOVE, dessen Fazit war, dass es sich um ein gutes Segel mit einem hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis handelt. So bestellte ich mir das GROOVE in Orange/Blau. An einem Freitagabend lag das Segel sauber verpackt vor unserer Haustür. Meine Frau war noch nicht da und so konnte ich nicht widerstehen, wohl wissend, dass wir bei Freunden eingeladen waren und gleich gehen mussten, sobald sie nach Hause kam. Also Segel ausgepackt und im Garten ausgerollt, wow cool...

Von meiner Frau immer noch keine Spur, also könnte man ja auch noch kurz aufriggen. Wahrscheinlich war es die sprichwörtliche Hitze des Gefechts, die mich nicht bemerken liess, dass der Mast viel zu zäh in die Masttasche zu schieben war. Da die Zeit drängte, setzte ich das Männern oftmals nachgesagte Sprichwort, «und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt» kurzerhand in die Tat um. Also Verlängerung in den Mast geschoben, Trimmhaken mit Dreifachrollenblock in die Vorlieksöse eingehängt und nun ziiieeeh... na bitte geht doch!

Mittlerweile stand meine Frau in der Terrassentür ziemlich gestresst vom Stau in dem sie feststeckte und so war es nicht verwunderlich, dass ich bei ihr mit meiner Hauruckübung gerade keine Punkte machte. «Schatz ich bin in zwei Minuten bereit, zieh dich um und mach dich frisch, ich rigge nur noch kurz ab und rolle das Segel zusammen, dann können wir fahren». Eine gute halbe Stunde später, ich mittlerweile schweissgebadet, drohte die Situation vollends zu eskalieren, der Mast bewegte sich keinen Millimeter aus der Masttasche und mir blieb nur die vorläufige Kapitulation. Nebenbei sei erwähnt, es war ein gelungener, fröhlicher Abend.

Da ich wusste, was am nächsten Morgen auf mich wartete, schlief ich in dieser Nacht entsprechend schlecht. Das Segel hatte zumindest die Nacht im Freien gut überstanden, doch die Hoffnung, dass es sich über Nacht soweit ausgedehnt hat, dass der Mast sich jetzt herausziehen liess, war vergebens. Von unten ziehend, von oben stossend, zuweilen mit zwei oder drei Spannsets, Gummihammer und was weiss ich, mit was allem noch, es war nichts zu machen der rosarote GFK-Mast steckte fest und wie. In der Hoffnung das Segel würde sich bei Nässe etwas dehnen, netzten wir es tüchtig, aber auch das brachte vorerst nichts. Bis zu dem Moment, in dem wir die Wunderwaffe einsetzten, die in jedem Haushalt vorhanden ist, Spüli! Die durchnässte Masttasche rieben wir also im engen Bereich, in welchem der Mast festklemmte mit Spüli ein und siehe da, der Mast bzw. das Segel liess sich, mit immer noch immensem Kraftaufwand und Gartenhandschuhen aus Leder, millimeterweise bewegen. Also jetzt bloss nicht lockerlassen, egal wie gross die Schmerzen an Händen und Fingern sind. Einige Minuten später war der Mast endlich raus, geschafft.


Mein nächster Gang, war noch am selben Tag in den Surfshop. Und wie heisst es so schön, wer den Schaden hat braucht für den Spot nicht zu sorgen und so blieb mir nichts anderes als die Schadenfreude des Verkäufers über mich ergehen zu lassen. So verkaufte er mir breit grinsend einen neuen Carbonmast, dessen Durchmesser zu meinem neuen Segel passte. Woher bitte schön hätte ich Wissen sollen, dass zwischenzeitlich die Mast Durchmesser geändert worden waren, zumal in meiner vorangegangenen Zeit als Windsurfer die Masten noch nicht die Rolle gespielt haben, wie heute, wo du beinahe ein CAS brauchst, um den Durchblick zu haben was, wie und mit wem zusammenpasst. Das Segel hat mir danach viele Jahre Freude bereitet und war ein treuer Begleiter, so wie hoffentlich nun auch das soeben eingetroffene Gunsails ZOOM 6.9 in Orange!

Den Erfahrungsbericht dazu gibt es natürlich sobald wie möglich hier im Starkwind Windsurf-Blog. Mit Mast Problemen rechne ich übrigens diesmal nicht, zumal ich das ZOOM auf einen Skinny Mast aufriggen werde :-)

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