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Test Duotone F-Type 6.8

Da ich künftig bei Leicht- und Mittelwind ausschliesslich foilen will, habe meine Segelpalette dahingehend angepasst, dass mein grösstes Segel künftig das 6.8er Duotone F-Type ist. Wenn es damit nicht fliegt, spielen wir Federball. Hier nun meine Eindrücke zu der 2019er Version des reinrassigen Foil-Segels.

AN LAND:

Das Segel ausgepackt und ausgerollt, gefällt einem was das Auge sieht, Duotone like, sauber verarbeitet mit einem zeitgemässen Design liegt das Tuch im Gras. Augenfällig sind die beiden Gurtbänder, die als Lattenspanner (wie früher) für die beiden unteren Latten mit den «Switch Softcambern» zum Einsatz kommen. Auch die Dacron-Bahn entlang des Mastes strahlt einen Hauch Nostalgie aus, diese soll das Segel weicher machen und die Anpump-Eigenschaften verbessern. Ansonsten ist das Segel grösstenteils aus Monofilm gefertigt, einzig im Fussbereich ist eine Bahn X-Ply verbaut. Ein absolutes Leichtgewicht ist das Segel mit seinen 4 Latten und den beiden Switch Softcambern trotzdem nicht.

Das F-Type soll wie alle anderen meiner Segel auch, auf einen Caas Mast geriggt werden, in diesem Fall auf den Power Wave c100, 430 cm mit Constant-Curve. Also Mast in die Masttasche über die Camber geschoben, wie das bei modernen Camber Segeln üblich ist, dann das Vorliek ca. 80% durchgesetzt, Gabel angeschlagen und voll durchgesetzt, Gurtbänder der Softcamber vollständig gelockert. Wer so vorgeht, wie eben beschrieben, wird beim Versuch die störrischen Switch Softcamber an den Mast anzuklappen wohl wie ich grandios scheitern. Ich habe mit allen möglichen und unmöglich Einstellungen an Vorliek und Gabelbaum versucht es hinzubekommen, vergebens. Die einzige Art, die vorerst funktioniert hat, war das Segel von Anfang an in die Camber einzufädeln, was eine mühselige Fumelei ist.


Dann kommst du unweigerlich ins Grübeln, hast du jetzt nach vielen Jahren mit Caas Masten, das erste Mal das Problem, dass sich ein Segel damit nicht gleichwertig aufriggen lässt wie mit dem Original Mast des Segelherstellers?

Da hilft nur der direkte Vergleich. Also suchst du einen Kollegen, der dir zu Testzwecken, genau den, für das Segel empfohlenen Mast zur Verfügung stellt. Das Resultat bleibt das gleiche, die Camber sind von unten nicht anzuklappen, no way, von unten kriegst du die nicht unfallfrei angeklappt! Dein Surfkumpel, ein erfahrener Windsurfer, erklärt dir dann, dass man die Dinger früher von oben nach unten angeklappt hat. Ein Versuch ist es wert und siehe da, dass klappt recht ordentlich und sogar ohne Verletzungsgefahr.

Später dann auch mit dem Caas Mast, bei welchem dann wie üblich optisch kein Unterschied zur Verwendung des Original Masten auszumachen ist! Hier sei erwähnt, dass die von Duotone mitgelieferte Bedienungsanleitung sich explizit auf die Cambersegel S-Type und WARP bezieht, das Wort «Switch Softcamber» kommt darin nicht vor. Für ein Segel dieser Preisklasse von deutlich über CHF 800.- ist dies bescheiden. Ein Beipackzettel oder ein Youtube-Filmchen würde dienen, wenn denn die Marketingabteilung auf die Idee käme, jedenfalls ist jedes Elektrogerät für CHF 30.- besser dokumentiert.


Sobald diese Hürde genommen ist, werden die Latten mit den Switch Softcambern über die Gurte mit den integrierten Schlössern gespannt. Wie sich die Switch Softcamber und die Gurtschlösser aus Plastik, sowie die Gurtbänder im harten Einsatz mit Sonne, Sand und Salzwasser bewähren bleibt abzuwarten.


AUF DEM WASSER:

Endlich auf dem Wasser, lasse ich die Vorgeschichte hinter mir und freue mich auf die Praxiserfahrung. Das Segel liegt schon im Dümpeln leicht und neutral in der Hand. Anschliessend wird wie erwartet jeder Hauch einer Böe aufgefangen und ans Fahrwerk übertragen. Wenn du dazu noch zwei-, dreimal kräftig pumpst, ist der Wiederstand überwunden und es geht in die Höhe aufs Foil. Auch in der Luft verhält sich das Segel neutral, der Druck lässt sich leicht dosieren, dabei bleibt der Druckpunkt immer da wo er hingehört. In Windlöchern bleibst du dank dem vorgegebenen leistungsstarken Profil lange oben und kannst die Flugphase meist mit ein paar Pumpbewegungen bis zur nächsten Böe verlängern. Die Softcamber schlagen gut um, selbst wenn der Wind mal schwächelt lassen sie sich problemlos mit einem Ruck auf die andere Seite bewegen. Nimmt der Wind zu, muss man dann sowohl am Vorliek wie auch am Schothorm die Spannung erhöhen, was dem Segel dann allerdings das weiche Segelgefühl etwas nimmt. Im Vergleich zu einem camberlosen Freeridesegel, wie z.B. einem Neil Pryde Ryde, gewinnt das F-Type bei Leichtwind haushoch, im Grenzbereich erscheint mir der Vorteil dann eher beim Freeridesegel zu liegen. Zudem lässt sich mit dem F-Type auch mit Finne unter dem Brett eine Ausfahrt bewerkstelligen, allerdings eignet es sich definitiv nicht als Freeridesegel zum Heizen, es wurde ja auch als Foilsegel konzipiert und gebaut.

FAZIT: Das F-Type ist ein hervorragendes Foilsegel für Leichtwind, welches den Einstieg ins foilen tatsächlich vereinfachen kann. Der Einsatzbereich ist gut, wenn auch nicht so riesig wie man sich dies beispielsweise von Slalomsegeln gewohnt ist, was aber auch zu einem guten Teil in der Natur der Sache beim foilen liegt. Schade, dass Duotone die verstaubten Switch Softcamber aus dem Archiv hervorgekramt hat, anstatt leichte zeitgemässe RDM-Rollencamber zu entwickeln und zu verbauen, was gewichtsmässig absolut zu vertreten gewesen wäre und vor allem den Aufriggkomfort wie auch die Lebensdauer des Segels massiv erhöht hätte. Wer weiterhin mit demselben Segel foilen und mit Finne surfen will bleibt beim Freeride- oder Wavesegel, wer nur noch foilen will ist mit dem F-Type besser bedient.


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